Der lustige Digedon betrachtet dieses Werk aus seiner ganz eigenen Sicht ...
Digedon
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Orlando
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244
 Drachenblut und Einhornkeule
 März 2003
Des Ritters Herz voll Freude klopft, wenn's Drachenblut vom Korpus tropft.

Im Leben eines jeden Ritter(lehr)lings naht der Zeitpunkt, wo er sich zu Ehren Siegfrieds mannhaft einer gar blutigen Zeremonie stellen muss. Scharlatanius hatte zu diesem Zwecke im Rahmen einer Blutspende (die Drachen standen schon lange auf der Roten Liste und durften nur mit deren Einverständnis zur Ader gelassen werden) eine erkleckliche Menge Drachensaft aus dem Mauselochinger Forst beschafft, sodass Runkels Inauguration zum Jungritter nichts mehr entgegenstand.

Im Verlauf dieser Schaffe hätte Runkel nackig in den Drachenschweiß-Zuber steigen sollen, aber er genierte sich vor den vielen Gästen, insbesondere vor Adelaide. Die Beiden kannten sich schon seit der Zeit, als Heino in der AG "Minnesang" beim Möhrenfelder Kaplan mitwirkte. Sein selbst gereimtes Lied "Heino-Klein ging allein in den Drachenwald hinein..." beeindruckte Laidchen derart, dass sie ihm spontan mit der späteren Ehe drohte.

Für das anstehende Ritual wurde im Familienrat der Kompromiss gefunden, die Zeremonie in Badeschlüpfern durchzuführen. Runkels Mutter hatte sich inspirieren lassen vom Hit der bekannten Barden-Gruppe MTS
(Mannen, Trinkhorn, Saurauslassen) "Ballade in Blech" über den Ritter Eisenbart, wo eine Passage singt: "Selbst im Bett trug er nur lange Unterhosen, die genietet war'n aus feinsten Weißblechdosen." Mama sagte sich: Das geht doch wohl ein stückweit eleganter - und sie griff sich eine große Kaule Kupferwolle, leider erwischte sie nur die kleine Häkelnadel.

Drachenblut und Einhornkeule Variantcover Mosafilm

Am Tage der Weihe wurde das Blut durch den Burgkoch unter ständigem Rühren auf exakt 79 Grad gebracht, denn das ist im Handbuch "Ritter, leicht gemacht" so vorgeschrieben. Runkel stieg, gewandet mit seinen schnittigen Kupferbuxen, in den zäh blubbernden Extrakt. Aber durch die dünne Nadel war das Strickwerk ziemlich engmaschig geworden und Runkel bekam beim Eintauchen nicht überall die Schutzlackierung verpasst, will heißen, sein besonders
empfindsames Mittelsegment blieb unimprägniert.

Wie so oft im Leben, gibt es auch dafür eine Umgehungslösung. Laut Scharlatanius ist hier die anlassbezogene Einnahme von Einhornkeulen vor Turnieren und Waffengängen aller Art angeraten, denn:

Die Einhornkeule stillt das Blut, wenn man sie vorher essen tut.

Allerdings ist auch bei der Beschaffung der Droge Vorsicht geboten - wie heißt's so schön:

Wenn's Einhorn durch die Rüstung knufft, dann zieht der Ritter Nebenluft.

Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, sich nicht vom Einhorn-Beauftragten des Herzogs Eberhard erwischen zu lassen. Runkel war nämlich nur im Besitz einer Elch-Lizenz. Für Einhörner durfte nur der Kuckucksberger die Strecke verblasen. Trotzdem gelang es dem Rübensteiner Jagdkollektiv, einen gewissen Vorrat an Einhornkeulen anzulegen. Als Beifang konnte Runkel aus den im Hornsockel befindlichen roten Karfunkeln eine Kette für Adelaide beim Freistädter Goldschmied anfertigen lassen, die er ihr zum Namenstag schenkte.

Dies alles geschah lange Zeit vor Runkels Zusammentreffen mit seinen Knappen in spe, den legendären Digedags.
Präsentiert von Mosafilm - mit freundlicher Genehmigung von Roland Kern (Text) und Frank Nietsch (Variantcover).