Der lustige Digedon betrachtet dieses Werk aus seiner ganz eigenen Sicht ...
Digedon
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Orlando
Variant-Rezi aus Digedon Nummer 13
253
 Zwischen Frühstück und Gänsebraten
 Dezember 2003
Ja, selbstverfreilich zelebrieren auch Kobölder die weihnachtlichen Rituale. Am 25. Dezember hat unser Dig Dienst an der Bratpfanne und die beiden anderen räkeln sich derweil lasziv mit Glühwein und Printe vor der Flimmerglotze, denn ein Weihnachtsfest ohne den queren Heinzelmann samt Margotchen wäre doch nur halb so perfekt.
Gerade als die ballettösen Hupfdohlen auf dem Bildschirm ihr Pyramiden-Sextett aufs Parkett hobeln, kommt Dig aus der Küche geschlurft. In seinem Buch "So geht Kochen" steht leider gar nichts über Gänsebraten. Auch die beiden anderen müssen bei diesem Thema passen. Hier kann nur noch einer helfen. Dag holt den schon leicht von Milben und Mehltau befallenen LEXI aus seinem Käfig. Aber der faselt bloß was von Erdöl, Plaste und Kunstfasern und nickt sogleich wieder ein. Gemeinsam grübeln die drei krampfhaft, wo es in der Vergangenheit wohl schon mal gebratene oder gesottene Gans gab. "Ha, bei den Teufelsbrüdern an Dalmatiens Felsgestaden" ruft Dag. Digedag kann sich wieder mal an nichts erinnern.

Im Fernsehen läuft gerade der Hit "Leise pieselt das Reh", intoniert von den "Vier Brummers" fietschering Bärbel Krachholz - das beruhigt die geschundenen grauen Zellen.
Aber auf Janos' Burg waren sie ja nicht mal in der Kombüse, also auch hier kein Rezept. Endlich fällt der Schleier, dass sie doch selbst mit allen Soßen gebadete Meisterköche sind, von deren Kunst schon deutsche Kaiser zu schwärmen wussten.

Allerdings war auch dort kein Braten im Spiel, nur "Powidldatschkerln aus der schönen Tschechoslowakei" (O-Ton Lutz Jahoda). Digedag meint entnervt "Ach, hört bloß auf, euch immer was von früher zusammenzuspinnen!"


Zwischen Frühstück und Gänsebraten Variantcover Mosafilm

Aber halt, es gibt erst mal Wichtigeres. Tante Ebert hat just das Weihnachtsmärchen mit Jochen Petersdorf angekündigt. Dieses Jahr gibts "Abenteuer im Zauberwald". Zuschauen ist hier Pflicht. Aber was soll das denn? "Der erzählt ja alles falsch. Das waren WIR doch bei der Hexe Baba Jaga - und nicht Egon und Angela! Außerdem wohnte die Hexe nicht in einem Camping-Anhänger des FDGB!"
Dig verschwindet enttäuscht wieder im Kochverschlag, er muss wenigstens erst mal die
angefangenen Klöße zusammenpappen, bevor die Masse beinhart wird.
Soeben tanzen Mitglieder des Zentralen Ensembles der zeitweilig in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte "Schwanensee" - das fetzt.

Im Küchendienste von Lord Plumford gabs auch keinen Gänsebraten, bloß langweilige Torten mit fettiger Creme. Dig ist wieder zurück und fragt "Soll ich Tofu nehmen?". "Örks!" mault Digedag, "Du weißt doch, dass Tofu am besten schmeckt, wenn man ihn kurz vorm Verzehr durch ein Steak ersetzt!". "Koch ich halt Bockwurst", meinte Dig versöhnlich, "für was anderes ist eh keine Zeit mehr." Und das tut er auch. Leider wird die Garzeit wegen Ablenkung durchs Fernsehprogramm geringfügig überschritten, sodass an den Würsten der Reißverschluß aufgeht. Das kommt davon, wenn man ein Fan von Spejbl und Hurvinek ist. Aber so sehen die Würste viel lustiger aus, erinnern sogar irgendwie an Fleisch. Die Klöße hingegen sind trefflich gelungen, herrlich glitschig und kaum zu greifen. Digedag spendiert passend zum Menü ein Crottendorfer Räucherkerzchen der Marke "Gänsebratenduft".

Es wird jedenfalls noch ein schönes Festtagsmahl. Im Hintergrund wimmern Hauff und Henkler ihr Heimwerkerlied "Keine Bange, wir holen eine Zange ...". Digedag meint "Aber nächstes Jahr essen wir zur Abwechlung mal wieder keine Gans."
Präsentiert von Mosafilm - mit freundlicher Genehmigung von Roland Kern (Text) und Frank Nietsch (Variantcover).